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Als Meister des Aachener Altars wird ein anonymer Kölner Maler der Spätgotik bezeichnet, der zwischen ca. 1495 und 1520 tätig war[1], nach anderer Meinung zwischen ca. 1480 und 1520,[2]. Er ist benannt nach seinem Hauptwerk, dem Aachener Altar, ausgestellt in der Aachener Domschatzkammer. Neben dem Meister von St. Severin und dem Meister der Ursulalegende gehört er zu der Gruppe von Malern, die an der Wende zum 16. Jahrhundert in Köln tätig und noch ganz einem spätgotischen Form- und Stilempfinden verpflichtet waren. Dieser originelle und interessante Künstler steht an der Schwelle zur Neuzeit und kann als der letzte bedeutende Vertreter der spätgotischen Malerei in Köln gelten.

Aachener Altar: Mittelteil mit der Kreuzigung Christi
Aachener Altar: Mittelteil mit der Kreuzigung Christi
Die Messe des Heiligen Gregor
Die Messe des Heiligen Gregor

Wie alle Kölner Maler der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ist auch der Meister des Aachener Altars nicht mit einem der in den Archiven genannten zeitgenössischen Künstlernamen zu identifizieren. Bisher war es nicht möglich, eines der Werke sicher mit einem in den Urkunden genannten Malernamen zu verbinden. Da sichere Daten und Quellen fast völlig fehlen, wurde sein künstlerisches Werk mit Hilfe stilkritischer Vergleiche erfasst.

Was sein Werk von dem seiner Zeitgenossen unterscheidet, ist das vitale Temperament, das sich in seinen Bildern mitteilt. Seinen Ausdruck findet es im ruhelosen Auf und Ab der Akteure, den dicht gedrängten, aufgewühlten Kompositionen, den von reichen Gegensätzen bestimmten, atmosphärischen Landschaften und den für seine Zeit neuartigen Bildideen sowie der Strahlkraft seiner Farben. Überraschende, oftmals drastische Einfälle, so die naturalistisch geschilderten Krankheitsmerkmale eines Syphilitikers[3] und ein Kind mit Merkmalen des Down-Syndroms auf dem Aachener Altar, charakterisieren sein Werk.

Als Porträtist bewies der Meister des Aachener Altars seine Fähigkeit zu differenzierter Personenschilderung, wie die lebensnahe und realistische Ausführung der Stifterporträts auf dem Retabel in Liverpool sowie das Bildnis Johanns des Jüngeren von Melem, Sohn des aus Köln stammenden Frankfurter Patriziers Johann von Melem, zeigt. Dieses Bild ist heute in der Alten Pinakothek in München zu sehen und wird ebenfalls dem Meister des Aachener Altars zugeschrieben. Dass Johann der Jüngere ebenso wie sein Schwiegervater, der Kölner Bürgermeister und Großkaufmann Hermann Rinck, zu seinen Auftraggebern zählten und ein großes Retabel für eine Ordensniederlassung der Karmeliter sowie ein Wandgemälde für die Kölner Familie Hardenrath entstanden, lassen auf die Wertschätzung schließen, die der Künstler genoss.

Die Verwurzelung des Meisters des Aachener Altars in der Kölner Malerei steht außer Frage. Die Nähe zum Jüngeren Meister der Heiligen Sippe, welche sich sowohl im Stilistischen als auch in der Übernahme von Bildideen und Motiven zeigte, bestätigt die Vermutung, dass der Meister des Aachener Altars in der Werkstatt des Sippenmeisters ausgebildet wurde. Auch vom Meister von Sankt Severin ging ein wichtiger Einfluss auf den Meister des Aachener Altars aus, wie Übereinstimmungen im Figurenstil und eine ähnliche Malweise belegen. Eine mögliche Mitarbeiterschaft als Geselle in dessen Werkstatt ist möglich. Die reifen Werke des Meisters des Aachener Altars, namentlich die Marientafeln, lassen auf deutliche Einflüsse des Meisters des Bartholomäus-Altars schließen. Darüber hinaus hat der Maler wichtige Anregungen aus der niederländischen Malerei, etwa der Kunst des Hugo van der Goes, empfangen und verarbeitet.

Die Wirkung, die der Meister auf nachfolgende Künstler hatte, scheint nicht groß gewesen zu sein. Einige Werke Bartholomäus Bruyns des Älteren verraten jedoch eine genaue Kenntnis der Werke des Meisters des Aachener Altars und belegen, dass sich Bruyn wiederholt mit den Kompositionen des älteren Meisters auseinandergesetzt hat.


Werke


Aachener Altar: Detail des linken Flügels
Aachener Altar: Detail des linken Flügels

Nur eine relativ geringe Anzahl von Werken können als eigenhändig für den Meister in Anspruch genommen werden: zwei Passionsretabel, eine zerstörte Wandmalerei, zwei Zeichnungen und sieben Einzeltafeln, teils größeren Formats. Zwischen dem frühesten erhaltenen Bild – der kurz vor 1495 entstandenen Anbetung der Könige in Bonn – und dem Aachener Altar als reifstes Werk um 1515/20, ergibt sich die Schaffenszeit des Meisters, welche etwa eine Zeitspanne von gut zwanzig Jahren umfasst. Ein größerer Werkstattbetrieb kann für den Meister des Aachener Altars nicht angenommen werden. Nur klein ist die Zahl der Arbeiten, die Werkstattcharakter zeigen.


Literatur



Anmerkungen


  1. Marita to Berens-Jurk: Der Meister des Aachener Altars. Mainz 2002, passim.
  2. Herta Lepie, Georg Minkenberg: Die Schatzkammer des Aachener Domes. Brimberg, Aachen 1995, ISBN 3-923773-16-1, S. 47.
  3. Egon Schmitz-Cliever: Die Darstellung der Syphilis auf dem sogenannten Aachener Altarbild der Kölner Malerschule (um 1510). In: Archiv für Dermatologie und Syphilis. Bd. 192, Nr. 2, 1950, ISSN 0365-6020, S. 164–174, doi:10.1007/BF00362168.
  4. Vgl. zu dieser Problematik: M. to Berens-Jurk: Der Meister des Aachener Altars. 2002, Kat. A 1, Anm. 3–5.
Personendaten
NAME Meister des Aachener Altars
KURZBESCHREIBUNG Künstler des Spätmittelalters
GEBURTSDATUM 15. Jahrhundert
STERBEDATUM 16. Jahrhundert

На других языках


- [de] Meister des Aachener Altars

[en] Master of the Aachen Altar

The notname Master of the Aachen Altar is given to an anonymous late gothic painter active in Cologne between 1495 and 1520[1] or 1480 and 1520,[2] named for his master work, the Aachen Altar triptych owned by the Aachen Cathedral Treasury. Along with the Master of St Severin and the Master of the legend of St. Ursula he is part of a group of painters who were active in Cologne at the beginning of the sixteenth century and were Cologne's last significant practitioners of late gothic painting.

[es] Maestro del retablo de Aquisgrán

Maestro del retablo de Aquisgrán (Meister des Aachener Altars en lengua alemana) es la denominación historiográfica de un maestro anónimo del gótico tardío. Fue nombrado así por su obra maestra, el tríptico de la Pasión conservado en la cámara del tesoro de la Catedral de Aquisgrán. Pertenece, junto al Maestro de San Severino y el Maestro de la Leyenda de Santa Úrsula al grupo de pintores activos a finales del siglo XV y comienzos del siglo XVI en Colonia con un estilo y sensibilidad propios del gótico tardío (escuela de Colonia). Este original e interesante artista, que está en el umbral de los tiempos modernos, puede ser visto como el último gran representante de esa escuela.

[fr] Maître du Retable d'Aix-la-Chapelle

Le Maître du Retable d'Aix-la-Chapelle est un peintre anonyme du gothique tardif, actif à Cologne entre 1495 et 1520[1],[2] ou entre 1480 et 1520[3] selon les spécialistes. Il porte son nom de convention d'après son œuvre maîtresse, le retable d'Aix-la-Chapelle, conservée au Trésor de la cathédrale d'Aix-la-Chapelle, un musée réputé à Aix-la-Chapelle.

[it] Maestro dell'Altare di Aquisgrana

Il Maestro dell'Altare di Aquisgrana, talvolta indicato anche come Maestro della Cappella Hardenrath (... – ...; fl. XV-XVI secolo), è stato un pittore tedesco attivo a Colonia intorno al 1495-1525.



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